Jumilla-Besuch November/Dezember 2015

Vom 28.11.2015 bis 03.12.2015 reisten wir PfotenNot - Vereinsmitglieder Stefanie Bartnik und Eva Lorenzen mal wieder nach Jumilla, um unserem Partnertierheim Cuatro Patas einen Besuch abzustatten.
Auf unserem Plan standen außerdem Gespräche zum aktuell laufenden Kastrationsprojekt, ein Besuch des Tierheims "Spandy" und der nebenan liegenden Tötungsstation von Yecla, der Tierkliniktermin in Valencia mit unserem Krummbeinchen Luis und die Dokumentation der neuen Hunde im Tierheim, bzw. der Entwicklung einiger Sorgenkinder.

Am frühen Abend des 28.11.2015 trafen wir am Flughafen Hamburg ein. Die Vorfreude war bereits riesig und wir waren ganz aufgeregt. Für Steffi war es der erste Besuch in Jumilla, sodass sie mächtig gespannt war!
Nachts landeten wir dann in Alicante, Spanien, von wo aus wir uns mit einem Mietwagen auf den etwas über einstündigen Weg nach Jumilla machten. Müde, aber glücklich kamen wir beim Tierheimmitarbeiter Jesus an, der uns mal wieder netterweise für unseren gesamten Aufenthalt Schlafmöglichkeiten bei ihm Zuhause stellte.

Am Sonntagmorgen trafen Steffi und ich uns dann mit Irene, der Tierheimleiterin, in einem Café zum Frühstück und intensiver mehrstündiger Lagebesprechung.

  • Welche Hunde sind neu? Welche benötigen Training? Welche Hunde brauchen schnellstmöglich ein Zuhause?
  • Obwohl Irene berichtete, dass derzeit viel in Jumilla und Umland adoptiert wird und wurde, besprachen wir Möglichkeiten, die Vermittlung z.B. per Steckbriefe der einzelnen Hunde ausgelegt bei den örtlichen Tierärzten noch intensiver anzukurbeln.
  • Das Tierheim in Jumilla benötigt dringend eine Schermaschine für all die neu eintreffenden verfilzten Hunde. Allerdings fehlt das Geld an allen Ecken, die Tierheimmitarbeiter buttern sogar alle selbst privat viel hinzu. So hat sich PfotenNot mächtig ins Zeug gelegt und PfotenNot-Flokatis (geistige Auslastung per Schnüffelspaß) geknüpft. Von dem Erlös kaufen wir dem Tierheim eine hochwertige, langlebige Schermaschine, die knapp 400 € kosten wird. Alles, was darüber hinausgeht, soll in die Operation unseren Schützlings Luis (krummgewachsenes und schmerzendes Vorderbein) fließen.
  • Irene erzählte uns erfreulicherweise, dass sich immer mehr Tierschützer anderer Regionen um Jumilla bei ihr melden, um Rat und Hilfe zur Abschaffung der noch bestehenden Tötungsstationen und Errichtung von Tierheimen zu erhalten. Jumilla hat es schließlich geschafft! Dazu soll es bald sogar einen TV-Beitrag geben, der dann auch auf You-Tube veröffentlicht wird. In den hier 48 Regionen gibt es schließlich nur 4 Tierheime. In allen anderen Regionen werden herrenlose Hunde noch heute weggefangen und ich die nächstgelegene Tötungsstation gebracht. Mittelalterliches Vorgehen in einer so fortschrittlichen Welt... Doch der Wandel findet statt!
  • Irene berichtete uns von dem Dilemma, dass die Hunde, die als Welpen/Junghunde ins Tierheim kommen, leider nach wie vor durch die Reizarmut sehr oft zu sehr unsicheren Hunden oder sogar Angsthunden heranwachsen. Das Tierheim hat nur eine einzige bezahlte Mitarbeiterin, die den ganzen Tag mit Reinigungsarbeiten und medizinischer Betreuung der Hunde beschäftigt ist. Alle anderen Helfer arbeiten ehrenamtlich. Für 2016 wird nun dafür gekämpft, dass sie sich eine weitere Angestellte leisten können, deren Aufgaben allein die geistige und körperliche Beschäftigung der Hunde sein soll, damit dieses Dilemma endlich unterbrochen wird und die Vermittlungschancen und Lebensqualität der Hunde steigt!
  • Im Tierheim befinden sich derzeit "nur noch" 80 bis 90 Hunde. Wir standen einst bei über 120 Hunden in einem Tierheim,welches auf maximal 80 Hunde ausgelegt ist. Grund dafür seien der Erfolg durch das aktuelle Kastrationsprojekt und die steigenden Adoptionszahlen vor Ort. Umein paar Zahlen zu nennen: Vor einigen Jahren kamen alljährlich über 200 Welpen ins Tierheim, 2014 waren es nur noch knapp 120 Welpen, 2015 liegen wir schon nur noch bei knapp 90 Welpen. Durch intensive Aufklärungsarbeit und Kastrationen sind in den Straßen nur noch sehr selten herrenlose Hunde zu sehen. Während unseres fast einwöchigen Aufenthalts haben wir lediglich einen gesehen, der scheu in den Bergen lebt - vermutlich das "Überbleibsel" des Bergrudels, welches zahlenmäßig stark dezimiert und nur noch selten zu Gesicht zu bekommen ist. Durch das aktuelle Kastrationsprojekt werden vor allem Hunde finanziell benachteiligter Halter kastriert, um diese - stärkste - "Welpenquelle" versiegen zu lassen. Wir danken euch allen für eure Unterstützung! Wir sind gespannt auf Januar und Februar 2016 und hoffen, dass die Situation noch einmal deutlich besser wird. Im Januar und Februar kommen die meisten Welpen zu Welt, etwa 70 %. Im Juni und Juli ist die 2. Welpenzeit, in der etwa 30 % der Welpen zur Welt kommen. Um noch nachhaltiger zu arbeiten, hat Cuatro Patas eine tolle Regel aufgestellt: Wenn sich Hundehalter mit der Bitte melden, ihren ungewollten Wurf Welpen zu vermitteln, erhalten sie nur noch Unterstützung, wenn die Elterntiere nachweislich kastriert werden.
  • An dieser Stelle möchten wir noch einmal auf die Wichtigkeit hinweisen, dass die hunde im Tierheimein Spot On erhalten müssen, um vor Krankheiten geschützt zu werden, die durch Zecken, Flöhe und Mücken übertragen werden. Das Tierheim muss hierfür jedes Jahr 2.400 bis 2.800 € aufbringen. Auch hier wird finanzielle Unterstützung benötigt!

Den Nachmittag verbrachten wir komplett im Tierheim. Erst zeigte ich Steffi die etwa 50 m vom Tierheim entfernte, stillgelegte Tötungsstation, um den wundervollen Unterschied zu verdeutlichen. Danach haben wir angefangen die Tierheimhunde zu vermessen, zu fotografieren was das Zeug hielt, gassizuführen und einfach ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich war so erfreut über die positive Entwicklung einiger Angsthunde! So holte sich der wunderschöne Sugus erstmals Schmuseeinheiten ab, während er bei den letzten Besuchen immer einige Meter Abstand hielt. Das gleiche gilt für Rudy, Rony, Pastora, Miercoles und Ginebra - ein kleines Wunder! Rolfo hat wieder eine viel sportlichere Figur, nachdem er im März 2015 doch einige viele Pfund zu viel auf den Rippen hatte. Auch Susan hat ihre Bikini-Figur zurück. Manuela hingegen benötigt nach wie vor dringend einen Fitness-Coach.

Am 30.11.2015 zogen wir unser Dokumentations-Pensum weiter streng durch und lernten wieder einige tolle Hundeseelen kennen. Auch unsere mittlerweile mehrjährigen Freundschaften zu den Hunden, die schon länger warten, pflegten wir intensiv!
Am Abend trafen uns mit beinahe allen Tierheimmitarbeitern in der Lieblingspizzaria von uns allen. Wir sprachen über das anstehende Projekt 2016. Unser Brainstorming ergab, dass das größte Bedürfnis an einem weiteren Angsthundeprojekt besteht. Hier möchten wir junge, interessierte Menschen (Schüler) etwa zwischen 14 und 20 Jahren einspannen ehrenamtlich mit den Tierheimhunden an ihren Unsicherheiten zu arbeiten. Hierzu würden wir im Vorfeld ein Seminar in den Schulen und einen Workshop vorbereiten, um ihnen das nötige Wissen zu vermitteln. Wir würden über Ausdrucksverhalten, Bedürfnisse von Hunden etc. unterrichten, um auch die weniger interessierten Schüler zu sensibilisieren. Diejenigen, deren Interesse wir für aktive Arbeit mit Hunden geweckt haben, werden dann zum Workshop eingeladen.
Desweiteren hatten wir die Idee Kurzfilme zu produzieren. Darunter Aufklärungsfilme über Tierschutz und/oder Hunde im Allgemeinen, über die ehrenamtliche Arbeit im Tierheim und die dortigen Reglen und wir wünschen und von Herzen Werbefilme zu kreieren, in denen das Tierheim Jumilla und unsere Zusammenarbeit anschaulich vorgestellt werden.
Nach dieser Besprechung wurde es rührend: Die Tierheimmitarbeiter bedankten sich bei uns für die Unterstützung mit wundervollen Geschenken! So bastelten sie für uns ein zauberhaftes Bilderrätsel, schnekten uns köstlichen Wein und als wäre das nicht schon genug noch obendrauf selbsthergestelltes Lavendelöl und Seife! Das war uns mal wieder ziemlich unangenehm, da wir unsere Arbeit selbst als riesige Bereicherung empfinden und ein Danke seitens Jumilla unseres Erachtens nicht nötig ist! Und trotzdem merkten wir mal wieder, wie wichtig wir für das Tierheim sind und wieviel nur durch unsere Hilfe ermöglicht werden kann.

Am 01.12.2015 trafen Steffi und ich uns mit Inma, der Leiterin des Tierheims "Spandy", in Yecla.

Erst sahen wir uns das Tierheim mit der nebenan liegenden Tötungsstation an. Bei unserem letzten Besuch durften wir die Tötung nicht betreten und wir mussten uns ganz schön verbiegen, um durch kleinste Luken einen Blick hinein zu erhalten. Durch langen und schweißtreibenden Einsatz konnte Spandy einen Vertrag mit der Tötung und der Stadt aushandeln. Nun erhalten sie dauerhaften Zuttritt und haben die Erlaubnis, die Hunde der Tötungsstation zu vermitteln. Vorher gab es kein Entkommen... So wurde in Yecla nun kein Hund mehr getötet! Wir haben Yecla Unterstützung angeboten, allerdings mit schwierigen Bedingungen für Inma. Unser oberstes Gebot ist, dass wir zwar helfen Tötungen stillzulegen, allerdings eben nur unter der Voraussetzung, dass die Stilllegung erfolgt. PfotenNot distanziert sich streng von der Vermittlung von Hunden aus Tötungsstationen, da wir davon überzeugt sind, sonst das völlig falsche Zeichen zu setzen, nämlich: Wenn ich meinen Hund aussetze und er dann in die Tötung kommt, kommen die Deutschen schon und retten ihn! Wir möchten den altern diese Verantwortung nicht abnehmen! So grausam das für jeden einzelnen Hund auch ist. Aber das macht es den Haltern zu leicht und das Aussetzen der Hunde noch attraktiver! Ein Ende der Tötungsstation somit in immer weiterer Ferne. So habenwir dazu geraten eine groß angelegte Petition zu starten,um die Politiker unter Druck zu setzen. Die Existenz der Tötungsstation ist den hundefreundlichen Bewohnern Yeclas zwar bekannt, aber da diese so weit draußen liegt, neigt man dazu sie zu vergessen. So sollten nun Unterschriften gesammelt werden, durch die die Abschaffung der Tötungsstation und stärkere Unterstützung des Tierheims gefordert werden. Selbst wenn nicht mehr getötet wird, weil die unde schnell genug vermittelt werden, ist eine Tötung bei Überbelegung erlaubt! Das darf einfach nicht sein! Inma befürchtet, dass sie keinen Platz mehr für die herrenlosen Hunde hat, wenn die Tötung stillgelegt wird. Doch genau dann würden wir auch erst mit der Vermittlung helfen. Wir hoffen von ganzem Herzen, dass sich Spandy für diesen Weg entscheidet und dafür kämpfen wird.
Danach fanden wir uns zu weiteren Arbeiten wieder im Tierheim in Jumilla ein. Ich habe dem Tierheim eine handvoll Clicker eingepackt und den Abend damit verbracht, einigen der Mitarbeitern Clickertraining zu erklären - mit freundlicher Unterstützung von Hund Marley!

Am 02.12.2015 waren wir, Steffi, Tina und ich, mit Luis in der Tierklinik in Valencia. Endlich ein Tierarzt, der ihm helfen kann! Es wurden aktuelle und sehr unterschiedliche Röntgenaufnahmen gemacht und wir haben besprochen, was finanziell für uns möglich ist um ihm zu helfen. Alles in allem haben wir ein tolles Angebot bekommen und liegen bei etwa 1.500 € inkl. 1 bis 3 monatigem Tierklinikaufenthalt, bei dem sein dann operiertes Bein alle 12 Stunden nachjustiert werden würde. Uns fehlen allerdings noch knapp 1000 €. Wir hoffen auf eure Unterstützung!

Am Abend trafen wir wieder einige der Tierheimmitarbeiter zum Essen. Das war unser letzter Abend und schweren Herzens verabschiedeten wir uns von unseren lieben Freunden.

Am Morgen des 03.12.2015 besuchten wir zuerst Bruce, den Hund einer Tierheimmitarbeiterin. Diese bat mich als Hundetrainerin einen Blick auf sein Angstverhalten zu werfen und in der Kürze der Zeit einen möglichst effektiven Trainingspaln zu erstellen. Dann fuhren wir ein letztes Mal ins Tierheim, halfen bei Reinigungsarbeiten und nahmen letzte Dokumentationen in Angriff. Wir verabschiedeten uns von unseren Hundefreunden und verließen dann schweren Herzens unter Tränen Jumilla. Unser Schweremut wurde jedoch mehr und mehr von der Vorfreude auf unsere zwei- und vierbeinigen Familienmitglieder in Deutschland abgelöst!
Und so sitzen wir jetzt wieder hier bei ungemütlichem Wetter, aber saftigeren Wiesen, mit dem größten Teil der Arbeit erst noch vor uns.